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Heraion von Samos – Der größte antike Tempel Griechenlands, der Göttin Hera geweiht

Das Heraion von Samos – Ruinen des Hera-Tempels
Heraion von Samos
🏘️ Region
⭐ kategorie ⭐
🏛️ Archäologische Stätte
🏛️ Historisches Denkmal
🎨 Kultureller Ort
📜 Historisches Wahrzeichen
🌲 Naturlandschaft
🌄 Entdeckerlandschaft
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🏛️ Heraion von Samos – Das Heiligtum der Hera

Im Süden von Samos, nahe dem heutigen Küstenort Heraion, liegt eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der Ägäis: das Heraion von Samos, das große antike Heiligtum der Göttin Hera.

In der fruchtbaren Ebene nahe der früheren Mündung des Flusses Imbrasos zeugen Tempelfundamente, Altäre, Stoen, Basen von Weihgeschenken und Abschnitte der Heiligen Straße von einer Kultgeschichte, die sich über viele Jahrhunderte erstreckte.

Das bekannteste Wahrzeichen der Anlage ist heute die einzige noch aufrecht stehende Säule des Großen Hera-Tempels. Sie ist ungefähr bis zur Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe erhalten und stellt nur einen kleinen Rest eines Tempels dar, der mit 155 etwa 20 Meter hohen Säulen geplant war.

📍 Lage

Das Heraion liegt in der südlichen Ebene von Samos, nahe dem Meer und ungefähr 6 Kilometer von der antiken Stadt Samos entfernt, an der Stelle des heutigen Pythagoreio. Heiligtum und Stadt bildeten zwei eng miteinander verbundene Zentren des antiken Samos.

Die Landschaft rund um das Heiligtum war bereits in der Antike stark vom Wasser geprägt. Der Fluss Imbrasos verlief durch das Gebiet, während der tiefliegende und feuchte Boden sowohl die Entwicklung des Heiligtums als auch die technischen Schwierigkeiten bei den großen Bauprojekten beeinflusste.

Heute ist die archäologische Stätte sowohl von Pythagoreio als auch vom Ort Heraion bequem über die Straße erreichbar.

🌿 Der Ort, an dem Hera der Überlieferung nach geboren wurde

Nach antiker samischer Überlieferung wurde Hera im Gebiet des Heraions geboren, nahe dem Fluss Imbrasos und unter einem Keuschbaum.

Dieser heilige Baum wurde eng mit dem Kult der Göttin verbunden und blieb über Jahrhunderte Bestandteil der religiösen Tradition des Heiligtums. Die samische Überlieferung verband den Ort zudem mit der Vereinigung von Hera und Zeus.

Dadurch erhielt das Heiligtum von Samos eine besonders starke Identität: Für die antiken Samier war Hera nicht einfach eine Göttin, die auf der Insel verehrt wurde, sondern eine Gottheit, die unmittelbar mit diesem Ort verbunden war.

🏺 Lange vor den großen Tempeln

Die Geschichte des Gebietes reicht wesentlich weiter zurück als die monumentalen Tempel der archaischen Zeit.

Archäologische Ausgrabungen haben eine prähistorische Besiedlung bereits während der Kupfersteinzeit, etwa 4500–3000 v. Chr., sowie bedeutende Überreste aus der Frühbronzezeit nachgewiesen.

Die religiöse Nutzung des späteren Heiligtums lässt sich ebenfalls bis in sehr frühe Perioden zurückverfolgen. Die Anfänge des Hera-Kultes werden mit der Bronzezeit und insbesondere mit der mykenischen Epoche in Verbindung gebracht.

Das Heraion entstand somit nicht plötzlich im 6. Jahrhundert v. Chr. als monumentales Bauprojekt. Es entwickelte sich an einem Ort, der bereits eine lange Geschichte menschlicher Besiedlung und religiöser Bedeutung besaß.

🔥 Der Große Altar der Hera

In der antiken griechischen Religion lag das eigentliche Zentrum des Kultes nicht unbedingt im Inneren des Tempels, sondern am Altar, an dem Opfer und religiöse Zeremonien stattfanden.

Im Heraion entwickelten sich frühe Altarformen schrittweise zu einer großen monumentalen Anlage. Im 8. Jahrhundert v. Chr. erhielt der Altar eine rechteckige Form und eine systematisch gepflasterte Fläche.

Seine Position blieb über die verschiedenen Bauphasen hinweg im Wesentlichen unverändert und zeigt damit die bemerkenswerte Kontinuität des Kultes an genau diesem Ort.

🏗️ Der erste Hekatompedos-Tempel

Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde westlich des Altars der erste große Hera-Tempel errichtet. Er ist als Hekatompedos bekannt, da seine Länge ungefähr einhundert antike Fuß betrug.

Er gilt als der früheste bekannte griechische Tempel mit einer Länge von einhundert Fuß.

Seine Errichtung markierte einen wichtigen Schritt vom kleineren frühen Heiligtum hin zur monumentalen griechischen Tempelarchitektur.

🏛️ Der Tempel des 7. Jahrhunderts v. Chr.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. wurde der Hekatompedos durch einen neuen und architektonisch weiterentwickelten Tempel ersetzt.

Diese zweite Bauphase war besonders innovativ, weil die Front eine doppelte Säulenreihe besaß – eine architektonische Lösung, die einen wichtigen Entwicklungsschritt hin zu den späteren monumentalen dipteralen Tempeln ionischer Ordnung darstellte.

Das Heraion entwickelte sich damit bereits lange vor den gewaltigen Bauprojekten des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu einem Zentrum architektonischer Innovation.

🏗️ Der Tempel von Rhoikos & Theodoros

Um 570–560 v. Chr. begann der Bau eines vollständig neuen Tempels nach Entwürfen der Architekten Rhoikos und Theodoros.

Für seine Zeit war das Bauwerk von gewaltigen Ausmaßen: Es maß ungefähr 52,5 × 105 Meter und war von mindestens 100 Säulen umgeben. Es gehört zu den frühesten monumentalen Beispielen des sich entwickelnden ionischen Baustils.

Theodoros wird außerdem mit bedeutenden technischen Innovationen bei der Herstellung und Bearbeitung von Säulenbasen in Verbindung gebracht.

Dieser Tempel wird häufig als Dipteros I oder Tempel des Rhoikos bezeichnet.

⚠️ Ein gigantischer Tempel mit kurzer Lebensdauer

Trotz seiner enormen Größe und innovativen Konstruktion blieb der Tempel von Rhoikos und Theodoros nicht lange bestehen.

Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass er relativ kurze Zeit nach seiner Fertigstellung, etwa in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., zerstört oder abgetragen wurde.

Die genaue Ursache ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Als mögliche Faktoren gelten instabile Bodenverhältnisse und möglicherweise auch seismische Aktivität.

An seiner Stelle wurde anschließend ein noch größerer Tempel geplant.

👑 Der Große Hera-Tempel unter Polykrates

Während der Herrschaft des Tyrannen Polykrates, etwa 535–522 v. Chr., begann der Bau des neuen Großen Hera-Tempels, auch als Dipteros II bezeichnet.

Zu diesem Tempel gehörte die einzelne Säule, die heute noch aufrecht steht.

Seine Dimensionen waren außergewöhnlich:

Länge: 108,63 m
Breite: 55,16 m
Säulen: 155
Geplante Säulenhöhe: etwa 20 m

Er gehörte zu den größten und ambitioniertesten Sakralbauten, die in der antiken griechischen Welt geplant wurden.

🧱 Ein Tempel, der nie vollständig vollendet wurde

Trotz des gewaltigen Bauprogramms wurde der Große Tempel niemals vollständig fertiggestellt.

Mehrere Säulen erhielten nicht ihre endgültige Oberflächenbearbeitung, und Teile des gesamten architektonischen Programms blieben unvollendet. Der Rückgang großer Bauaktivitäten nach der Epoche des Polykrates beeinflusste den Fortgang des Projekts entscheidend.

Doch selbst in seinem unvollendeten Zustand waren die Dimensionen des Tempels beeindruckend genug, um bereits antike Besucher zu überwältigen.

📜 Herodot & der größte Tempel, den er kannte

Herodot zählte den Hera-Tempel zu den großen Leistungen der Samier und bezeichnete ihn als den größten Tempel, den er kannte.

Seine Aussage ist besonders wertvoll, weil er zeitlich vergleichsweise nahe an der großen Blütezeit des archaischen Samos lebte.

Heute ist es daher genauer, den Tempel nicht absolut als „größten jemals in Griechenland errichteten Tempel“ zu bezeichnen, sondern als eines der größten und ambitioniertesten Bauprojekte der gesamten antiken griechischen Welt.

🛤️ Die Heilige Straße

Das Heiligtum war über die Heilige Straße mit der antiken Stadt Samos, dem heutigen Pythagoreio, verbunden.

Diese monumentale Prozessionsstraße war ungefähr 6 Kilometer lang.

Entlang der Strecke standen Statuen und Weihgeschenke, wodurch ein eindrucksvoller zeremonieller Zugang zum Heiligtum entstand.

Die Heilige Straße war nicht einfach nur ein Verkehrsweg. Sie spielte eine zentrale Rolle bei religiösen Prozessionen und war integraler Bestandteil des rituellen Weges zum Heraion.

Abschnitte der antiken Trasse sind heute noch innerhalb der archäologischen Anlage sichtbar.

🗿 Statuen entlang der Heiligen Straße

Die monumentale Ausstattung der Heiligen Straße umfasste große Skulpturenstiftungen wohlhabender samischer Familien.

Dazu gehörten kolossale Kouroi sowie Familienweihungen wie die berühmte Geneleos-Gruppe, die zu den bedeutendsten Ensembles archaischer ionischer Skulptur zählt.

Viele der wichtigsten Skulpturen und Weihgaben aus dem Heraion werden heute im Archäologischen Museum von Vathy auf Samos aufbewahrt. Dessen Sammlungen umfassen Statuen, Keramik sowie Votivgaben aus Bronze, Elfenbein und Holz aus dem Heiligtum.

🌍 Ein Heiligtum mit internationaler Ausstrahlung

Das Heraion diente nicht nur der lokalen Bevölkerung von Samos.

Während der archaischen Zeit entwickelte sich Samos zu einer bedeutenden See- und Handelsmacht des östlichen Mittelmeerraums. Dadurch gelangten Weihgaben aus vielen verschiedenen Regionen der antiken Welt in das Heiligtum.

Ausgrabungen haben Objekte und künstlerische Einflüsse nachgewiesen, die Samos mit folgenden Regionen verbinden:

✅ Kleinasien
✅ Zypern
✅ Ägypten
✅ Der syro-palästinensischen Küste und dem Vorderen Orient
✅ Weiteren Zentren der Ägäis und der griechischen Welt

Die Vielfalt dieser Weihgaben spiegelt die weitreichenden Handels- und Kulturkontakte des antiken Samos wider.

🐘 Bronze, Elfenbein, Holz & exotische Weihgaben

Der Reichtum des Heiligtums zeigte sich nicht nur in seiner Architektur.

Bei den Ausgrabungen wurden zahlreiche Weihgaben aus Bronze, Elfenbein, Holz und anderen wertvollen Materialien entdeckt. Viele weisen Stilformen oder Herkunftsgebiete außerhalb von Samos auf.

Diese Funde sind besonders wichtig, weil sie zeigen, dass das Heraion ein Treffpunkt unterschiedlicher künstlerischer Traditionen des östlichen Mittelmeerraums war.

⚓ Hera & das maritime Samos

Die große Entwicklung des Heiligtums fiel mit jener Epoche zusammen, in der Samos zu einem der mächtigsten See- und Handelszentren der griechischen Welt aufstieg.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. unterhielten die Samier enge Handelskontakte mit Kleinasien und dem griechischen Festland und waren auch in entfernteren Teilen des Mittelmeerraums wirtschaftlich aktiv.

Der Wohlstand und die internationale Bedeutung der Stadt spiegeln sich unmittelbar in der gewaltigen Größe der Bauprojekte und in den wertvollen Weihgaben des Heraions wider.

🏛️ Von der archaischen Blüte bis in die römische Zeit

Die kultische und bauliche Aktivität im Heraion endete nicht mit der archaischen Epoche.

Das Heiligtum wurde auch während der klassischen, hellenistischen und römischen Zeit weiter genutzt, wobei sich seine Funktion und bauliche Gestalt entsprechend den historischen Umständen veränderten.

Archäologische Untersuchungen haben Gebäudereste und Weihgaben bis in die spätrömische Zeit nachgewiesen.

Daher wäre es nicht korrekt, die römische Phase lediglich als Zeit zu beschreiben, in der der Tempel zu einer „Gemäldegalerie“ wurde und seine religiöse Funktion verlor. Die Entwicklung des Heiligtums war wesentlich komplexer.

🏺 Was Besucher heute sehen können

Heute begegnet der Besucher keinem vollständig erhaltenen Tempel, sondern einer weitläufigen archäologischen Landschaft, in der sich die verschiedenen Entwicklungsphasen des Heiligtums anhand der erhaltenen Reste nachvollziehen lassen.

Zu sehen sind unter anderem:

✅ Die einzige aufrecht stehende Säule des Großen Tempels
✅ Die gewaltigen Fundamente und Säulenbasen
✅ Überreste älterer Tempel
✅ Der Große Altar
✅ Abschnitte der Heiligen Straße
✅ Basen archaischer Weihdenkmäler
✅ Überreste von Stoen und Nebengebäuden
✅ Zahlreiche Architekturfragmente und Säulentrommeln

Organisierte Besucherwege und Informationstafeln helfen dabei, die unterschiedlichen Bauphasen und die historische Entwicklung des Heiligtums besser zu verstehen.

🗼 Die einzige aufrecht stehende Säule

Die Säule, die heute die archäologische Landschaft dominiert, gehörte zum Großen Hera-Tempel aus der Zeit des Polykrates.

Von den 155 vorgesehenen Säulen steht heute nur noch diese eine aufrecht, und auch sie ist lediglich ungefähr bis zur Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe erhalten.

Über Jahrhunderte wurde sie zu einem so markanten Wahrzeichen, dass das Gebiet des antiken Heraions auch als „Kolona“ – „die Säule“ bekannt war.

Vor diesem einzelnen erhaltenen Architekturelement lässt sich nur schwer vorstellen, dass hier einst ein regelrechter Wald aus mehr als 150 monumentalen Säulen geplant war.

🔍 Die archäologischen Ausgrabungen

Die systematische archäologische Erforschung des Heraions reicht mehr als ein Jahrhundert zurück.

In den Jahren 1902–1903 führte die Archäologische Gesellschaft Ausgrabungen unter der Leitung von Panagiotis Kavvadias und Themistoklis Sofoulis durch.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert gewann die deutsche archäologische Forschung zunehmend an Bedeutung. Das Deutsche Archäologische Institut untersucht das Heiligtum seit mehr als hundert Jahren in Zusammenarbeit mit den griechischen archäologischen Behörden.

Die Forschungen dauern bis heute an, da weiterhin neue Erkenntnisse zur prähistorischen Besiedlung, zum Kult, zu den Gebäuden, zur Wasserwirtschaft und zur Entwicklung des Heiligtums gewonnen werden.

🌊 Ein Monument in empfindlicher Naturlandschaft

Das Heraion liegt in einem flachen Küstengebiet mit hoher Feuchtigkeit sowie bedeutenden Oberflächen- und Grundwasservorkommen.

Diese Bedingungen haben in manchen Fällen zur Erhaltung organischer archäologischer Materialien beigetragen, stellen zugleich jedoch erhebliche Herausforderungen für die Konservierung dar.

Feuchtigkeit, Vegetation, stehendes Wasser und Küstenerosion beeinflussen die Erhaltung der archäologischen Landschaft und erfordern kontinuierliche Schutz- und Pflegemaßnahmen.

🌍 Pythagoreion & Heraion – UNESCO-Welterbe

Im Jahr 1992 wurden das Pythagoreion und das Heraion von Samos gemeinsam in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Die UNESCO erkennt beide Stätten als außergewöhnliche Zeugnisse der politischen, wirtschaftlichen, künstlerischen und technologischen Entwicklung des antiken Samos an.

Im Fall des Heraions gelten besonders die architektonischen Innovationen der aufeinanderfolgenden Tempelbauten als bedeutend für die Entwicklung der griechischen Tempelarchitektur und letztlich der klassischen Baukunst.

🏺 Funde aus dem Heraion im Archäologischen Museum von Vathy

Für ein vollständigeres Verständnis des Heiligtums lohnt sich die Kombination mit einem Besuch im Archäologischen Museum von Vathy auf Samos.

Im älteren Museumsgebäude werden wichtige Funde aus dem Heraion gezeigt, darunter Keramik, Statuen und Weihgaben aus Bronze, Elfenbein und Holz.

Im neueren Gebäude befindet sich die bedeutende Sammlung archaischer Skulpturen von Samos.

Diese Ausstellungsstücke vermitteln einen Eindruck von dem Reichtum und der künstlerischen Vielfalt, die heute zwischen den architektonischen Resten des Heiligtums selbst nicht mehr sichtbar sind.

🕒 Öffnungszeiten, Eintritt & Kontakt

Nach den derzeitigen Besucherinformationen gelten:

Öffnungszeiten: 08:30–15:30 Uhr
Dienstag: Geschlossen

Regulärer Eintritt: 6 €
Ermäßigter Eintritt: 3 €

Adresse: Heraion, Samos 83103
Telefon: +30 22730 62813

Öffnungszeiten und Eintrittspreise archäologischer Stätten können sich insbesondere saisonal oder aufgrund von Konservierungsarbeiten ändern. Daher empfiehlt es sich, vor dem Besuch die aktuellen Angaben zu überprüfen.

👀 Worauf Sie beim Besuch besonders achten sollten

Während des Rundgangs lohnt es sich besonders, auf Folgendes zu achten:

✅ Die einzige aufrecht stehende Säule und die enorme Größe ihrer Basis
✅ Die Fundamente, die das tatsächliche Ausmaß des Großen Tempels sichtbar machen
✅ Die verschiedenen Bauphasen der älteren Tempel
✅ Den Bereich des Großen Altars
✅ Die erhaltenen Abschnitte der Heiligen Straße
✅ Die Basen, auf denen einst monumentale Weihstatuen standen
✅ Die Beziehung zwischen dem Heiligtum und der tief gelegenen, wasserreichen Landschaft des Imbrasos

🧭 Was sich mit dem Besuch verbinden lässt

Ein Besuch des Heraions lässt sich gut kombinieren mit:

✅ Dem Küstenort Heraion
Pythagoreio und den Monumenten der antiken Stadt
✅ Dem Archäologischen Museum von Pythagoreio
✅ Dem Tunnel des Eupalinos
✅ Dem Kloster Panagia Spiliani

Für ein umfassenderes Verständnis der Funde aus dem Heiligtum selbst lohnt sich besonders ein Besuch im Archäologischen Museum von Vathy auf Samos.

⭐ Eines der bedeutendsten Heiligtümer Ioniens

Das Heraion von Samos ist nicht deshalb bedeutend, weil dort heute ein spektakulärer Tempel vollständig erhalten wäre. Tatsächlich sind die meisten Gebäude hauptsächlich auf Fundamentniveau sichtbar.

Seine außergewöhnliche Bedeutung liegt vielmehr in der Abfolge der verschiedenen Bauwerke, die beinahe Schritt für Schritt die Entwicklung der monumentalen griechischen Architektur nachvollziehbar machen: vom Hekatompedos des 8. Jahrhunderts v. Chr. über den innovativen Tempel des 7. Jahrhunderts und den kolossalen Bau von Rhoikos und Theodoros bis zum noch größeren Tempel aus der Zeit des Polykrates.

Gleichzeitig zeigen Tausende von Weihgaben aus unterschiedlichen Regionen des Mittelmeerraums, dass das Heraion ein Ort war, an dem Religion, Handel, Diplomatie, Kunst und kultureller Austausch unmittelbar zusammentrafen.

Die einzelne Säule, die heute aus der Ebene aufragt, ist daher nur das sichtbarste Überbleibsel einer weitaus größeren Welt: eines Heiligtums, das über Jahrhunderte im Zentrum der religiösen und kulturellen Identität des antiken Samos stand.

Zusätzliche Informationen

Das Gebiet des Heraions war bereits in sehr früher Zeit ein Ort religiöser Verehrung. Der Standort, an dem sich das Heraion befindet, scheint bereits seit der zweiten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. besiedelt gewesen zu sein. Archäologische Befunde belegen zudem die Existenz einer bedeutenden befestigten Siedlung aus der mittleren und späten Bronzezeit mit großen Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden. 

Über die religiösen Kulte, die in dieser Siedlung ausgeübt wurden, ist allerdings nur wenig bekannt. Auch eine ununterbrochene Fortsetzung dieser Kulte in der Zeit nach der Aufgabe der Siedlung lässt sich nicht nachweisen. 

Von besonderer Bedeutung sind jedoch die Funde im Bereich des Altars des Heiligtums: a. ein erstes gepflastertes Bodenniveau aus der Zeit von 1700–1600 v. Chr., auf dem konische Becher gefunden wurden, die mit minoischen religiösen Praktiken in Verbindung gebracht werden; b. ein zweites gepflastertes Bodenniveau aus mykenischer Zeit (ca. 1445/1415–1000 v. Chr.) mit Hinweisen auf einen Altar aus Lehmziegeln; und c. der erste steinerne Altar in einer Schicht aus der Zeit um 1000 v. Chr.

Was die Kultausübung in historischer Zeit betrifft, so befinden sich in diesem Gebiet die Überreste von mindestens vier Tempeln: Hekatompedos I – 8. Jahrhundert v. Chr., Hekatompedos II – 7. Jahrhundert v. Chr., der Tempel von Rhoikos und Theodoros – 6. Jahrhundert v. Chr., der Tempel in der heute erhaltenen Form aus der Zeit des Tyrannen Polykrates, 538–522 v. Chr., sowie Tempel aus römischer Zeit.

Die Kultstatue, ein Werk des Smilis, wird gewöhnlich an den Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. datiert, entsprechend der Datierung des deutschen Archäologen D. Ohly. Es wird angenommen, dass sie im Tempel Hekatompedos II der Hera auf Samos aufgestellt war (Geschichte der griechischen Nation, Ekdotiki Athinon, Band „Archaisches Griechentum“, Kapitel Architektur, Artikel „Die ersten griechischen Tempel“).

Herodot berichtet, dass sich im Heraion von Samos der größte Tempel Griechenlands befand. Die Ausgrabungen haben einen dipteralen Tempel ionischer Ordnung mit 105 Säulen nachgewiesen. Eine dieser Säulen steht noch heute, wenn auch nicht vollständig erhalten, und erreicht eine Höhe von etwa 11 Metern. 

Der Tempel wurde als Ersatz für den älteren Hekatompedos aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. errichtet, allerdings an einer anderen Stelle innerhalb des Heiligtums. In seiner ersten Bauphase, dem sogenannten Dipteros I, wurde er um 575 v. Chr. aus Kalkstein errichtet. Aufgrund unzureichender Fundamente und eines Brandes wurde er zwischen 530 und 520 v. Chr. an derselben Stelle als Dipteros II neu aufgebaut. Einige Teile bestanden aus Marmor, während die äußeren Säulen des Peristyls ohne Kanneluren blieben. Der Tempel wurde niemals vollständig fertiggestellt. 

In römischer Zeit wurde er nicht mehr als Kultstätte genutzt, sondern diente lediglich als Bildergalerie, da die Verehrung der Hera in den Peripteraltempel verlegt worden war, den Augustus über den Fundamenten des Eingangsbereichs des Hekatompedos errichten ließ. Dieser befand sich zwischen dem Standort des Altars und der Basis der Kultstatue im älteren monumentalen Tempel des Heiligtums.

Ein charakteristisches Zeugnis für das hohe technische Niveau der Anlage ist das Vorhandensein eines Netzes aus Tonrohren zur Ableitung des Regenwassers.

Die gefundenen Weihgaben, die heute im Archäologischen Museum von Vathy ausgestellt werden, zeigen, dass sich der religiöse Einfluss des Heiligtums über ganz Griechenland und Kleinasien bis nach Ägypten erstreckte und hinsichtlich seiner Reichweite mit dem Einfluss des Orakels von Delphi vergleichbar war.

Architektonisches Denkmal.

Zur Tempelanlage gehörte auch die Heilige Straße. Sie war mit Steinen gepflastert und führte zur Hauptstadt des antiken Samos, dem heutigen Pythagorio.

Die Ausgrabungen im heiligen Bereich des Heraions begannen vor mehr als einhundertfünfundzwanzig Jahren und werden bis heute fortgesetzt. Die ersten systematischen Ausgrabungen wurden 1902–1903 von der Archäologischen Gesellschaft zu Athen unter der Leitung von Panagiotis Kavvadias und Themistoklis Sofoulis durchgeführt. 

Seit 1910 werden die Forschungen von deutschen Archäologenteams durchgeführt und seit 1925 über die Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), mit Unterstützung des griechischen Archäologischen Dienstes.

Nahezu das gesamte Gebiet des Heiligtums wurde freigelegt. Der große Tempel, die Altäre, kleinere Tempel, Wohnhäuser und zahllose Funde zeugen von einer bedeutenden Kultur, die in dieser Region ihre Blütezeit erlebte. Die Verehrung der samischen Hera war nicht nur panhellenisch; wie die zahlreichen archäologischen Funde zeigen, erstreckte sich ihr Einfluss über große Teile der damals bekannten Welt. Neben Weihgaben der Samier und anderer Griechen an die große Göttin wurden auch Votivgaben aus Zypern, Ägypten, Kleinasien und weiteren Gebieten des Nahen Ostens entdeckt.

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