Eupalinos-Tunnel – Das Wunder antiker Ingenieurskunst auf Samos
🛠️ Tunnel des Eupalinos in Pythagoreio auf Samos
Im Inneren des Berges Kastro oberhalb von Pythagoreio befindet sich eines der bedeutendsten technischen Meisterwerke der Antike: der Tunnel des Eupalinos, der zentrale unterirdische Abschnitt des antiken Aquädukts der Stadt Samos.
Der Tunnel ist 1.036 Meter lang und wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. unter der Leitung des Ingenieurs Eupalinos aus Megara, Sohn des Naustrophos, angelegt. Besonders außergewöhnlich war, dass die Arbeiten gleichzeitig von zwei gegenüberliegenden Seiten des Berges begannen und die beiden Bautrupps schließlich im Inneren aufeinandertrafen.
Der Tunnel war Teil eines vollständigen Wasserversorgungssystems, das Wasser von der Quelle bei Agiades zur antiken Stadt leitete. Das Eupalinos-Aquädukt blieb ungefähr 1.100 Jahre lang in Betrieb und zeigt damit nicht nur die Originalität seiner Konstruktion, sondern auch seine bemerkenswerte langfristige Funktionsfähigkeit.
📍 Lage
Der Tunnel des Eupalinos liegt nördlich von Pythagoreio und durchquert das Innere des Berges Kastro.
Der südliche Eingang, der normalerweise für Besichtigungen genutzt wird, befindet sich etwa 2 Kilometer von Pythagoreio entfernt und ist sowohl über die Straße als auch zu Fuß erreichbar. Der nördliche Eingang liegt in Richtung Agiades und ist mit der Seite verbunden, von der das Wasser in das Tunnelsystem gelangte.
Die Lage stellte eine enorme technische Herausforderung dar, da zwischen der Quelle und der antiken Stadt ein Berg lag. Anstatt das Wasser auf einer deutlich längeren oberirdischen Strecke um den Berg herumzuführen, entschied man sich für die wesentlich anspruchsvollere Lösung, den Kalksteinmassiv direkt zu durchbohren.
📜 Eupalinos aus Megara
Die wichtigsten Informationen über den Ingenieur des Projekts verdanken wir Herodot.
Im dritten Buch seiner Historien nennt der antike Geschichtsschreiber Eupalinos, Sohn des Naustrophos, aus Megara als den Ingenieur des unterirdischen Bauwerks.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Name des Verantwortlichen eines derart frühen technischen Großprojekts überliefert ist, denn bei vielen bedeutenden Bauwerken der archaischen Zeit sind die verantwortlichen Planer unbekannt geblieben.
🕰️ Wann wurde der Tunnel gebaut?
Der Tunnel des Eupalinos wird etwa in die Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert.
Lange Zeit wurde er nahezu selbstverständlich direkt mit der Tyrannis des Polykrates in Verbindung gebracht, da Herodot das Bauwerk im historischen Zusammenhang des mächtigen Samos des 6. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt.
Neuere archäologische und technische Untersuchungen führen jedoch zu einer vorsichtigeren Interpretation. Hermann J. Kienast, einer der wichtigsten modernen Forscher des Aquädukts, vertrat die Auffassung, dass die Bauarbeiten wahrscheinlich bereits vor der Herrschaft des Polykrates, etwa in der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr., begonnen hatten.
Daher ist es genauer, das Projekt mit der großen technischen und wirtschaftlichen Blüte von Samos im 6. Jahrhundert v. Chr. zu verbinden, ohne mit Sicherheit zu behaupten, dass Polykrates selbst den Bau veranlasste.
⛏️ Der beidseitig aufgefahrene Tunnel
Das wichtigste Merkmal der Konstruktion war die gleichzeitige Arbeit von zwei gegenüberliegenden Seiten.
Ein Bautrupp begann auf der Nordseite des Berges, ein zweiter auf der Südseite, mit dem Ziel, sich im Inneren zu treffen.
Aus diesem Grund bezeichnet Herodot den Tunnel als „amphistomon“, also als Bauwerk „mit zwei Mündungen“.
Die Arbeit von beiden Seiten ermöglichte einen schnelleren Baufortschritt, stellte den Ingenieur jedoch vor ein äußerst schwieriges Problem: Richtung und Höhenlage beider Vortriebe mussten mit großer Genauigkeit bestimmt werden, obwohl innerhalb des Berges keine direkte Sichtverbindung möglich war.
📐 Die Geometrie hinter dem Projekt
Für die erfolgreiche Durchführung mussten Vermessungen an der Oberfläche des Berges vorgenommen und die berechneten Richtungen anschließend in das Innere des Felsens übertragen werden.
Die beiden Tunnelabschnitte verlaufen nicht über ihre gesamte Länge vollkommen geradlinig. An mehreren Stellen finden sich bewusste oder notwendige Richtungsänderungen, die sowohl mit der Beschaffenheit des Gesteins als auch mit der Notwendigkeit zusammenhängen, zu verhindern, dass die beiden Bautrupps aneinander vorbeigraben.
Moderne Untersuchungen zeigen, dass Eupalinos systematische geometrische und vermessungstechnische Methoden zur Kontrolle der Trasse einsetzte.
Das erfolgreiche Zusammentreffen der beiden Vortriebe im Inneren des Berges gehört zu den wichtigsten Gründen, weshalb das Bauwerk als Meilenstein der Ingenieurgeschichte gilt.
🧱 Abmessungen des Haupttunnels
Der Haupttunnel ist 1.036 Meter lang und besitzt einen durchschnittlichen Querschnitt von ungefähr 1,80 × 1,80 Metern.
Die Abmessungen sind nicht über die gesamte Strecke identisch. In einigen Bereichen wird der Gang deutlich enger, während die antiken Baumeister an anderen Stellen Wände und Decke wegen instabilen oder minderwertigen Gesteins verstärken mussten.
Spuren der antiken Werkzeuge sind noch heute im bearbeiteten Fels sichtbar und stellen einen unmittelbaren Hinweis auf die Arbeit jener Menschen dar, die den Tunnel vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden aus dem Berg schlugen.
💧 Ein vollständiges Aquädukt – nicht nur ein Tunnel
Der Tunnel des Eupalinos war lediglich der zentrale und spektakulärste Abschnitt eines wesentlich größeren Wasserversorgungssystems.
Das Wasser stammte aus einer Quelle im Gebiet von Agiades nördlich des Berges.
Von dort wurde es durch einen ungefähr 890 Meter langen unterirdischen Kanal zum nördlichen Eingang geführt. Anschließend durchquerte es den Berg und gelangte nach dem südlichen Ausgang weiter zu den Zisternen und dem Verteilungsnetz der antiken Stadt.
Das Bauwerk sollte daher nicht nur als „Tunnel“, sondern als Teil eines vollständigen Systems zur Sammlung, Beförderung und Verteilung von Wasser verstanden werden.
⬇️ Der tiefer liegende Wasserkanal
Innerhalb des Haupttunnels befand sich ein zweites, tiefer angelegtes technisches Bauwerk.
Der Hauptgang diente dem Zugang und den Bauarbeiten, während entlang seiner Strecke ein tieferer Graben für die Wasserleitung angelegt wurde.
Da der Haupttunnel nahezu horizontal bleiben musste, damit sich die beiden Bautrupps zuverlässig treffen konnten, benötigte der eigentliche Wasserkanal ein anderes Gefälle, um die natürliche Strömung in Richtung Stadt sicherzustellen.
Deshalb wird der Graben zum südlichen Abschnitt hin allmählich tiefer.
🏺 Die Tonrohre
Im unteren Teil des hydraulischen Kanals verlegten die antiken Ingenieure eine Leitung aus Tonrohren.
Die Rohrleitung bestand aus Tausenden einzelnen Elementen, die zu einem durchgehenden Wasserkanal miteinander verbunden wurden.
Ihre Konstruktion ermöglichte zudem Reinigungs- und Wartungsarbeiten – ein entscheidender Faktor für ein Wasserversorgungssystem, das über viele Generationen hinweg funktionieren sollte.
Dass das Eupalinos-Aquädukt ungefähr 1.100 Jahre lang genutzt wurde, verdeutlicht sowohl die Qualität seiner technischen Planung als auch seine dauerhafte Bedeutung für die Stadt.
📜 Was Herodot tatsächlich schrieb
Herodot erklärt, dass er ausführlicher über die Samier berichtete, weil sie drei Werke geschaffen hätten, die größer seien als die Werke der übrigen Griechen.
Als erstes beschreibt er den von beiden Seiten aufgefahrenen Tunnel durch den Berg. Er gibt seine Länge mit sieben Stadien sowie Höhe und Breite mit jeweils acht Fuß an und erwähnt außerdem den tiefer liegenden Kanal, durch den das Wasser in Rohren zur Stadt geleitet wurde.
Die beiden anderen großen Werke waren die Hafenanlage des antiken Samos und der gewaltige Tempel der Hera.
Sein Bericht ist besonders wertvoll, weil er nicht nur das Bauwerk beschreibt, sondern auch den Namen des Ingenieurs überliefert.
🛡️ Wasserversorgung & Schutz der Stadt
Der Hauptzweck des Aquädukts war die zuverlässige Versorgung der antiken Stadt mit Wasser.
Die unterirdische Trasse schützte einen großen Teil des Systems im Inneren des Berges und verringerte seine Sichtbarkeit und Verwundbarkeit an der Oberfläche.
Zu einer Zeit, in der Samos eine bedeutende See- und Handelsmacht war und die Stadt über starke Befestigungsanlagen verfügte, hatte eine gesicherte Wasserversorgung selbstverständlich auch strategische Bedeutung.
Die zentrale technische Aufgabe bestand jedoch darin, Wasser von der Quelle bei Agiades trotz des natürlichen Hindernisses des Berges zur Stadt zu transportieren.
🌍 Tunnel des Eupalinos & UNESCO
Der Tunnel des Eupalinos gehört zum archäologischen Ensemble „Pythagoreion und Heraion von Samos“, das 1992 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.
Die UNESCO hebt besonders die technologische Qualität des Eupalinos-Projekts und seine Bedeutung für die Entwicklung des Ingenieurwesens und großer öffentlicher Bauprojekte hervor.
Die Welterbe-Auszeichnung bezieht sich dabei nicht auf den Tunnel als einzelnes Monument, sondern auf das gesamte archäologische Ensemble des antiken Pythagoreio und des Heraions.
🏅 International Historic Civil Engineering Landmark
Die internationale Anerkennung des Bauwerks beschränkt sich nicht auf die UNESCO.
Im Jahr 2017 erklärte die American Society of Civil Engineers den Tunnel des Eupalinos zum International Historic Civil Engineering Landmark.
Eine Gedenktafel für diese Auszeichnung wurde am 29. Oktober 2017 am südlichen Eingang des Denkmals angebracht.
Die Auszeichnung würdigt die Bedeutung des Tunnels nicht nur für die griechische Archäologie, sondern auch für die weltweite Geschichte des Bauingenieurwesens.
🔧 Restaurierung & moderne Erschließung
Das Monument war Gegenstand systematischer archäologischer Forschung, statischer Sicherung, Konservierung und Restaurierung.
Besonders wichtig waren die langjährigen Untersuchungen des Deutschen Archäologischen Instituts und von Hermann J. Kienast, durch die Verlauf, Bauphasen und technische Methoden des Projekts wesentlich genauer verstanden werden konnten.
Moderne Sicherungs- und Konservierungsmaßnahmen ermöglichen heute einen sichereren Zugang zu Teilen des Monuments, ohne die antike Konstruktion grundlegend zu verändern.
🚶 Die drei vorgesehenen Besucherstrecken
Für die Erschließung des Denkmals wurden drei unterschiedliche Besucherstrecken eingerichtet:
✅ Route 1 – 185 Meter
Die kürzeste Route mit einer Gesamtdauer von ungefähr 20 Minuten einschließlich Rückweg. Sie umfasst eine schmale Treppe sowie einen etwa 17 Meter langen Durchgang mit ungefähr 1,55 Metern Höhe und 0,50 Metern Breite.
✅ Route 2 – 424 Meter
Diese Strecke führt bis zur byzantinischen Zisterne und in die Nähe des Bereichs, in dem sich die beiden antiken Vortriebe trafen. Der Untergrund ist anspruchsvoller, uneben und stellenweise rutschig.
✅ Route 3 – 1.036 Meter
Die vollständige Durchquerung des Tunnels von einem Eingang zum anderen. Sie umfasst besonders enge Abschnitte und ist deutlich anspruchsvoller.
⚠️ Welche Routen derzeit geöffnet sind
Dass drei Besucherstrecken vorgesehen sind, bedeutet nicht, dass derzeit alle drei zugänglich sind.
Nach den aktuell verfügbaren offiziellen Angaben gilt:
✅ Route 1: derzeit geöffnet
⛔ Route 2: aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen, unter anderem wegen rutschiger Abschnitte
⛔ Route 3: derzeit auf Empfehlung der zuständigen Konservierungsbehörde zum Schutz des Denkmals nicht zugänglich
Da sich die Bedingungen ändern können, sollte vor dem Besuch immer die aktuelle offizielle Information geprüft werden.
🦺 Was Besucher wissen sollten
Ein Besuch im Inneren des Tunnels des Eupalinos unterscheidet sich deutlich von einem gewöhnlichen Rundgang durch eine offene archäologische Stätte.
Die Umgebung ist unterirdisch, eng und an mehreren Stellen niedrig.
Besucher müssen:
✅ Einen Schutzhelm tragen, der am Eingang zur Verfügung gestellt wird
✅ Flache, stabile, rutschfeste und möglichst geschlossene Schuhe tragen
✅ Große Taschen und Rucksäcke vermeiden
✅ Etwa 10 Minuten vor der geplanten Einlasszeit vor Ort sein
Nach den derzeitigen Regeln ist Kindern unter 14 Jahren der Zutritt nicht gestattet. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren müssen von einem verantwortlichen Erwachsenen begleitet werden.
🕒 Öffnungszeiten, Eintritt & Kontakt
Nach den derzeitigen offiziellen Angaben gelten:
Öffnungszeiten: 08:30–15:30 Uhr
Dienstag: Geschlossen
Für die derzeit zugängliche Route:
Route 1: 10 €
Ermäßigter Eintritt: 5 €
Die festgelegten Preise für Route 2 und Route 3 betragen 15 € beziehungsweise 8 € ermäßigt, diese beiden Strecken werden derzeit jedoch nicht angeboten.
Adresse: Pythagoreio, Samos 83103
Telefon: +30 22730 62813
Öffnungszeiten, verfügbare Routen und Zugangsbedingungen können sich aus Gründen der Konservierung oder Sicherheit ändern. Daher empfiehlt sich vor dem Besuch eine Überprüfung der aktuellen offiziellen Angaben.
👀 Was Besucher sehen können
Während der Besichtigung lassen sich unter anderem erkennen:
✅ Der in den Fels geschlagene Haupttunnel
✅ Spuren antiker Werkzeuge im Gestein
✅ Abschnitte antiker Mauerverstärkungen
✅ Der tiefer liegende Aquäduktgraben
✅ Vertikale Öffnungen zwischen Hauptgang und Wasserkanal
✅ Richtungsänderungen der antiken Trasse
✅ Technische Lösungen für schwierige geologische Bedingungen
Der Tunnel lässt sich dadurch fast wie ein direkt in den Berg eingemeißelter technischer Plan lesen.
🧭 Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Ein Besuch des Tunnels des Eupalinos lässt sich gut mit weiteren bedeutenden Sehenswürdigkeiten von Pythagoreio und der Umgebung verbinden:
✅ Kloster Panagia Spiliani
✅ Archäologisches Museum von Pythagoreio
✅ Überreste der antiken Stadt Samos
✅ Römische Thermen von Pythagoreio
✅ Burg und Turm des Lykourgos Logothetis
✅ Statue des Pythagoras
✅ Heraion von Samos
⭐ Eine technische Leistung, die ihrer Zeit voraus war
Die Bedeutung des Tunnels des Eupalinos liegt nicht allein darin, dass eine mehr als einen Kilometer lange Passage durch massiven Fels geschlagen wurde.
Das eigentliche Meisterstück besteht in der Planung eines komplexen Wasserversorgungssystems, der gleichzeitigen Arbeit von zwei gegenüberliegenden Seiten des Berges, der Kontrolle von Richtung und Höhenlage sowie der Fähigkeit der antiken Ingenieure, ihre Planung an die tatsächlich angetroffenen geologischen Bedingungen anzupassen.
Der Tunnel des Eupalinos ist daher ein seltenes Monument, an dem Besucher nicht nur ein antikes Bauwerk, sondern den Prozess antiken Ingenieurwesens selbst im Fels nachvollziehen können.
Mehr als zweieinhalb Jahrtausende nach seiner Errichtung gehört er noch immer zu den eindrucksvollsten Zeugnissen des außergewöhnlichen technischen Wissens, das Samos im 6. Jahrhundert v. Chr. erreicht hatte.
Weitere Informationen
Das besondere Merkmal des Tunnels bestand darin, dass er gleichzeitig von beiden Seiten des Berges aus gegraben wurde: Dieser Tunnel war amphistomon, also „beidseitig geöffnet“, wie ihn Herodot bezeichnete, durch dessen Bericht das Bauwerk bekannt wurde. Die beiden Tunnelabschnitte trafen sich ungefähr in der Mitte mit bemerkenswerter Genauigkeit – eine außergewöhnliche technische Leistung für die damalige Zeit.
Historische Informationen
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| Querschnitt der beiden Tunnel (1) der Haupttunnel, (2) der kleinere Tunnel für die Wasserleitung und (3) ein vertikaler Zugangsschacht. |
Der Bau des Tunnels erfolgte auf Anordnung des Tyrannen Polykrates und soll etwa zehn Jahre gedauert haben. Planer und Ingenieur des Projekts war Eupalinos, Sohn des Naustrophos aus Megara. Der Querschnitt des Tunnels beträgt ungefähr 1,80 × 1,80 m und seine Länge 1.036 Meter.
Einige Meter unterhalb des Haupttunnels wurde ein kleinerer Tunnel angelegt, durch den das Wasser geleitet wurde.
Man geht davon aus, dass der Zweck des Tunnels nicht nur darin bestand, Wasser von der Quelle hinter dem Berg in die Hauptstadt von Samos – das heutige Pythagorio – zu leiten, sondern dies auch auf eine Weise zu tun, die für Angreifer nicht erkennbar war. Eine oberirdische Wasserleitung hätte leicht entdeckt und zerstört werden können, wodurch die Stadt ihrer wichtigsten Ressource beraubt worden wäre. Vom Tunnel aus wurde das Wasser durch die Stadtmauer weitergeleitet.
Der Grund für die beiden parallel verlaufenden Tunnel liegt darin, dass sich die Quelle zur Zeit der Planung und Ausführung des Projekts auf einer bestimmten Höhe befand, die über dem Niveau des Haupttunnels lag. Nach dem Bau des Haupttunnels begann das Wasser jedoch auf einer niedrigeren Höhe auszutreten, sodass es nicht mehr durch natürliches Gefälle in diesen Tunnel geleitet werden konnte.
Aus diesem Grund wurde es notwendig, einen zusätzlichen, kleineren Tunnel auf einem tieferen Niveau anzulegen. Dieser kleinere Tunnel wurde vom Haupttunnel aus mithilfe vertikaler Schächte gegraben.
Herodot, die einzige antike Quelle, die uns über den Tunnel des Eupalinos berichtet, beschreibt sowohl den Haupttunnel als auch den zusätzlichen Wasserkanal.
Der Text von Herodot
Die einzige antike Erwähnung des Tunnels des Eupalinos stammt von Herodot:
Ἐμήκυνα δὲ περὶ Σαμίων μᾶλλον, ὅτι σφι τρία ἐστὶ μέγιστα ἁπάντων Ἑλλήνων ἐξεργασμένα, ὄρεός τε ὑψηλοῦ ἐς
πεντήκοντα καὶ ἑκατὸν ὀργυιάς, τούτου ὄρυγμα κάτωθεν ἀρξάμενον, ἀμφίστομον.
2 τὸ μὲν μῆκος τοῦ ὀρύγματος ἑπτὰ στάδιοι εἰσί, τὸ δὲ ὕψος καὶ εὖρος ὀκτὼ ἑκάτερον πόδες. διὰ παντὸς δὲ αὐτοῦ ἄλλο ὄρυγμα εἰκοσίπηχυ βάθος ὀρώρυκται, τρίπουν δὲ τὸ εὖρος, δι᾽ οὗ τὸ ὕδωρ ὀχετευόμενον διὰ τῶν σωλήνων παραγίνεται ἐς τὴν πόλιν ἀγόμενον ἀπὸ μεγάλης πηγῆς.
3 ἀρχιτέκτων δὲ τοῦ ὀρύγματος τούτου ἐγένετο Μεγαρεὺς Εὐπαλῖνος Ναυστρόφου. τοῦτο μὲν δὴ ἓν τῶν τριῶν ἐστι, δεύτερον δὲ περὶ λιμένα χῶμα ἐν θαλάσσῃ, βάθος καὶ εἴκοσι ὀργυιέων• μῆκος δὲ τοῦ χώματος μέζον δύο σταδίων.
4 τρίτον δέ σφι ἐξέργασται νηὸς μέγιστος πάντων νηῶν τῶν ἡμεῖς ἴδμεν• τοῦ ἀρχιτέκτων πρῶτος ἐγένετο Ῥοῖκος Φιλέω ἐπιχώριος. τούτων εἵνεκεν μᾶλλόν τι περὶ Σαμίων ἐμήκυνα..
Übersetzung:
[3.60.1] Ich habe mich bei den Samiern länger aufgehalten, weil sie drei Werke geschaffen haben, die zu den größten unter allen Griechen gehören. Das erste dieser drei Werke ist ein Tunnel mit zwei Öffnungen, der unter einem Berg beginnt, der bis zu hundertfünfzig Klafter hoch ist.
[3.60.2] Die Länge des Tunnels beträgt sieben Stadien, seine Höhe und Breite jeweils acht Fuß. Über seine gesamte Länge ist ein weiterer Kanal gegraben, zwanzig Ellen tief und drei Fuß breit. Durch diesen wird das Wasser in Rohren von einer großen Quelle bis in die Stadt geleitet.
[3.60.3] Der Baumeister dieses Tunnels war Eupalinos aus Megara, der Sohn des Naustrophos. Dies ist also eines der drei Werke. Das zweite ist ein Damm am Hafen im Meer, der bis zu zwanzig Klafter tief und mehr als zwei Stadien lang ist.
[3.60.4] Das dritte Werk ist ein Tempel, der größte von allen Tempeln, die wir kennen. Sein erster Baumeister war Rhoikos, der Sohn des Phileos, ein Einheimischer. Aus diesen Gründen habe ich mich etwas ausführlicher mit den Samiern beschäftigt.
Vergleich der von Herodot genannten Maße:
- Berg mit einer Höhe von 150 Klaftern. Dieser Berg ist etwa 225 Meter hoch.
- Die angenommene Länge einer Klafter beträgt 1,50 Meter.
- Länge des Tunnels: 7 Stadien. Seine tatsächliche Länge beträgt 1.036 Meter.
- Ein Stadion entsprach 100 Klaftern. Die von Herodot genannten 7 Stadien entsprechen somit 700 Klaftern. Bei einer angenommenen Länge der Klafter von 1,5 Metern ergibt sich eine berechnete Tunnellänge von 1.050 Metern.
- Höhe und Breite: 8 Fuß. Die durchschnittliche Höhe und Breite des Tunnels beträgt etwa 1,8 Meter.
- Eine Klafter entsprach 6 Fuß. Bei einer angenommenen Länge der Klafter von 1,5 Metern entsprach ein Fuß etwa 0,25 Metern. Daraus ergibt sich für Höhe und Breite des Tunnels ein Wert von etwa 2 Metern.
Die von Eupalinos verwendeten Techniken
Eupalinos verwendete ausgeklügelte Techniken, um sicherzustellen, dass die beiden Tunnelabschnitte aufeinandertreffen würden, selbst wenn es Fehler bei seinen Messungen gab.
Schematische Darstellung:
In der horizontalen Ebene:
In der vertikalen Ebene:


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